Die römische Bischofssynode. Nicht bestimmen, sondern beraten

Herbstvollversammlung Deutsche BischofskonferenzIn Kürze wird in Rom die Bischofssynode zusammenkommen, um über die Frage der Familienpastoral zu beraten. Erstmalig seit längerem erhoffen sich Beobachter von dieser Synode eine aktive Mitbestimmung der Bischöfe in einer wichtigen Frage. Ursprünglich war die Bischofssynode als Instrument der stärkeren Einbindung des Episkopats in die Entscheidungen der Universalkirche gedacht. Lange Zeit hatten sie aber eher die Funktion eines Meet-and-Greet der Bischöfe und eines Absegnungsorgans unter weitschweifige Papiere.

Als das Zweite Vatikanische Konzil seine Arbeit beendet hatte, ging eine Versammlung zu Ende, die den Bischöfen zum ersten Mal seit Langem wieder das Gefühl gegeben hatte, an den Entscheidungen der Universalkirche beteiligt zu sein. Ohne die Anwesenheit der Bischöfe in Rom war jedoch zu befürchten, dass die römische Zentrale wieder wie zuvor alle weltkirchlichen Entscheidungen traf und die Bischöfe zu bloßen Ausführungsorganen der römischen Entscheidungen und zu lediglich lokalen Herrschaftsträgern wurden. Um das zu verhindern, war die Einrichtung einer Synode, in der Art eines kleinen Konzils, geplant. Sie sollte sich in unregelmäßigen Abständen treffen und den Papst in wichtigen Entscheidungen beraten.

Lange Tradition

Diese Bischofssynoden nehmen dabei eine wesentlich ältere Tradition auf. In der frühen Kirche waren es wesentlich die Versammlungen von Bischöfen, die bedeutende Entscheidungen für eine bestimmte Region oder die Universalkirche trafen. Die wichtigsten Synoden wurden von einem großen Teil des Gesamtepiskopats besucht und zählten später zu den ökumenischen Konzilen. Aber auch lokale Synoden konnten weit über die Grenze ihres Einzugsbereiches und die aktuelle Zeitstellung von Bedeutung sein. Auch die römischen Bischöfe handelten oft zusammen mit solchen Versammlungen. Das waren primär Zusammenkünfte des vorstädtischen und mittelitalienischen Episkopats um den römischen Bischof, die häufig in der Fastenzeit stattfanden und daher als „Fastensynoden“ bezeichnet wurden.

Synode gegen monarchische Tradition

Auf diese Vorläufer bezogen sich seit dem ausgehenden Mittelalter die Vertreter der synodalen Tradition, die Synoden und Konzile als zentralen Bestandteil innerkirchlicher Herrschaftsausübung begriffen. Sie standen dabei den Vertretern der monarchischen Tradition gegenüber, die den Papst als alleinige oberste Autorität ansahen. Eine universalkirchliche Synode konnte in deren Theorie nur vom Papst zusammengerufen werden und seine Beschlüsse nur durch ihn Geltungskraft erhalten. Mit dem Konzil von Trient hatte sich für fast vier Jahrhunderte diese monarchische Tradition durchgesetzt. Das führte auch dazu, dass Synoden und Konzile nur noch selten einberufen wurden. Zwischen dem Konzil von Trient (1545-1563) und dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) lagen dreihundert Jahre, die größte Zeitspanne zwischen zwei ökumenischen Konzilen.

Der Papst bestimmt über die Synoden

Doch auch das Zweite Vatikanische Konzil rüttelte nicht an den Grundlagen der monarchischen Ordnung der Kirche. Der Papst berief das Konzil und seine Sitzungen, der Papst griff in die Tagesordnung ein, der Papst setzte die Beschlüsse in Kraft und präzisierte sie durch entsprechende Ergänzungen. Zwar hatte die Kurie während des Konzils an Bedeutung verloren, das Papsttum selber war davon jedoch nur eingeschränkt betroffen. Entsprechend zeigten Papst Paul VI. und die Kurie nach dem Konzil auch wenig Neigung, die Bischofssynoden mit größerer Autorität auszustatten. Zwar wurde im September 1965 das Dekret erlassen, dass die Synoden zu festen Einrichtungen in der Weltkirche machte, aber ihre Einberufung und die Themensetzung blieben weiterhin dem Papst vorbehalten. Die Synoden selber konnten sich keine Ordnung geben.

Mehr Rat, nicht mehr Macht

Auch in dieser Synode hat Papst Franziskus die Grundzüge päpstlicher Machtausübung im synodalen Prozess nicht geändert. Der Papst gibt die Tagesordnung vor, die römische Kurie erarbeitet im Wesentlichen die Vorbereitungsdokumente. Die Bischöfe sollen zwar durch eine genauere Themensetzung und eine bessere Einbindung in die Bearbeitung mehr Einfluss erhalten, doch bleiben die Aussagen der Bischöfe auch nach wie vor nur ein Ratschlag an den Papst, der sich die letzte Entscheidung vorbehält. Die Bischofssynode im Oktober ist damit kein Weg zur innerkirchlichen Demokratie, sondern lediglich die Verbesserung der beratenden Funktion der Bischöfe. Wie ein Jesuitenoberer, so holt sich der Papst den Ratschlag des Episkopats ein, bevor er entscheidet. Franziskus bindet die Bischöfe zwar besser in die gesamtkirchlichen Fragen ein, jedoch scheint er Macht bisher nicht an sie abgeben zu wollen.

Maximilian Röll

Foto: dpa / picture-alliance und WikiCommons Laurom.

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