„Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“

Papst Franziskus hat am 19. März 2016 in Rom den Startschuss für den Instagram-Account @franciscus gegeben und damit seine Kommunikation nach Twitter in ein weiteres soziales Netzwerk ausgeweitet. Ein Beleg dafür, dass sich die Medienarbeit des Heiligen Stuhls seit 2012 stark gewandelt hat. hinsehen.net analysiert diesen Wandel und wagt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung…

Der Papst ist jetzt bei Instagram

Foto: dpa / picture-alliance

Benedikt XVI., Franziskus und social media

Ein Blick zurück: Wir schreiben das Jahr 2012. Papst Benedikt XVI. startete den Twitter-Account @pontifex. In den zurückliegenden drei Jahren wurden insgesamt neun offizielle Twitter-Accounts des Vatikans in verschiedenen Sprachen installiert mit weltweit über 26 Millionen Followern. Während dem englischsprachigen Account 8,9 Millionen Twitter-Usern folgen, sind es beim deutschsprachigen Account „nur“ 320.000. Der Mann, der hinter dem Twitter-Account des Heiligen Vaters stand, war Prälat Paul Tighe, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel. Er überzeugte erst Papst Benedikt XVI. und dann Papst Franziskus davon, „dass es absolut unerlässlich ist, dass die Kirche sich um eine Präsenz in der ‚digitalen Welt‘ bemüht, wie Msgr. Tighe beim Katholischen Medienkongress 2014 betonte. Daher berief Papst Franziskus auch Tighe als Sekretär einer Kommission, die den Medienbereich des Vatikan neu aufstellen sollte und die im Juni 2015 in die Gründung des Sekretariats für Kommunikation unter Leitung von Msgr. Daria Viganó führte.
Ein Sprung zurück in die Gegenwart: Am 19. März 2016 verkündete eben dieser Präfekt des Sekretariates für Kommunikation, Msgr. Daria Viganó, dass Papst Franziskus selber den Instagram-Account @franciscus“ mit dem einem ersten Bild und den Text „I am beginning a new journey, on Instagram, to walk with you along the path of the mercy and ternderness of God“ gestartet hat. Laut Radio Vatikan will Papst Franziskus Instagram dazu benutzen, „um durch Bilder zu kommunizieren, was Worte allein nicht ausdrücken können“. KNA berichtete heute über Twitter, dass die Instagram-Bilder auf @franciscus“, die „Nähe des Papstes zu den Menschen zeigen“ sollen. Der Instagram-Auftritt wird dabei von Mitarbeitern des Kommunikationssekretariates betreut. Wie Radio Vatikan weiter berichtete, habe Instagram-CEO Kevin Systrom und der Sekretär des Sekretariats für Kommunikation, Msgr. Lucio Adrian Ruiz, den Pontifex bei der Einrichtung seines Instagram-Accounts unterstützt.

Kein Facebook-Profil des Papstes geplant

Medienexperten gehen davon aus, dass das Instagram-Profil des Heiligen Vaters enormen Zuspruch finden wird. Dies dürfte auch ganz zur Freunde von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sein, den Papst Franziskus in einem heutigen Facebook-Post persönlich bei Instagram begrüßte. Dies dürfte den Chef des Facebook-Imperiums auch darüber hinwegtrösten, dass es wohl zur Amtszeit von Papst Franziskus kein offizielles Facebook-Profil mehr geben wird. Bereits 2014 hatten eine Facebook-Delegation versucht, durch einen Besuch im Vatikan Papst Franziskus dazu zu bewegen, dem weltweit größten sozialen Netzwerk beizutreten. Doch nach Medienberichten erteilte Erzbischof Claudio Maria Celli der Delegation aus dem Menlo-Park in Kalifornien eine Absage. Eine Begründung wurde offiziell nicht publiziert, doch Medienvertreter gehen davon aus, dass der Vatikan Angst für negativen Kommentaren und „Trollen“ bei Facebook hatte.

Stattdessen erhielt Prälat Paul Tighe damals „grünes Licht“ dafür, im Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel die medialen Aktivitäten im Web und in den Sozialen Netzwerken auszuweiten. In dessen Folge entstand die Website www.news.va, die alle Medien des Heiligen Stuhl bündeln soll. Dazu gehören auch eine begleitende Facebook-Seite (427.521 „Gefällt mir“-Angaben) und ein Twitter-Account (25.700 Follower). Msgr. Tighe, der am 27. Februar 2016 zum Bischof (Titularbistum Drivastum in Albanien) ernannt wurde, wird sich nun zukünftig als beigeordneten Sekretär des Päpstliches Rates für Kultur weiter um die „digitale Kultur“ des Vatikans kümmern. Denn Bischof Tighe hatte bereits 2014 deutlich gemacht, wohin die mediale Reise gehen soll: „Wenn wir von der kommunikativen Mission der Kirche sprechen, sprechen wir nicht von einer Mission unter vielen. Tatsächlich sprechen wir über den fundamentalen Grund, warum die Kirche existiert. Die Kirche existiert durch den Willen Gottes und sie existiert genau zu dem Zweck, die frohe Botschaft Jesu Christi zu verkünden.“

„Dem Internet eine Seele geben“

Wohin entwickelt sich die Medienwelt des Vatikans? Bleibt sie in den bisherigen Strukturen auf die „analogen“ Medien Zeitung, Radio und Fernsehen fokussiert – wofür Vatikansprecher Frederico Lombardi viele Jahre eintrat und erst beim letzten Konklave Twitter in die offizielle Kommunikation des Heiligen Stuhls aufnahm – oder werden im neuen Sekretariat für Kommunikation die Karten auch neu gemischt und zu Gunsten der sozialen Kommunikationsmittel ausgeweitet werden?

Papst Franziskus, der laut Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“ selber nur Zeitung liest und kein Fernsehen oder soziale Netzwerke nutzt (den Twitter-Account @pontifex hat er von seinem Vorgänger Papst Benedikt XVI. „geerbt“), scheint mit der Neuausrichtung des Kommunikationsbereichs unter Leitung von Msgr. Daria Viganó auf die Digitalisierung zu setzen. In der Botschaft zum 50. Jahrestag der Sozialen Kommunikationsmittel 2016 betont der Heilige Vater: „Auch E-Mail, SMS, soziale Netze und Chat können Formen ganz und gar menschlicher Kommunikation sein. Nicht die Technologie bestimmt, ob die Kommunikation authentisch ist oder nicht, sondern das Herz der Menschen und seine Fähigkeit, die ihm zur Verfügung stehenden Mittel gut zu nutzen. Die sozialen Netzwerke sind imstande, Beziehungen zu begünstigen und das Wohl der Gesellschaft zu fördern, aber sie können auch zu einer weiteren Polarisierung und Spaltung zwischen Menschen und Gruppen führen.“ Dies dürfte auch ganz dem Credo des digitalen Vordenkers Bischof Tighe entsprechen, der bereits 2014 darauf hinwies, dass es wichtig sei, „dem Internet eine Seele zu geben“…

Christian Schnaubelt, Ressortleiter Digitale Medienwelten

Foto: dpa / picture-alliance

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