Maria im Tal

Was bringt die Wallfahrer in Bewegung? Die Juden hatten Jerusalem als Ziel, Muslime pilgern nach Mekka. Die Wallfahrtsziele der Christen waren zuerst das Heilige Land, dann wegen der Gräber der Apostel Petrus und Paulus Rom, ab dem 9. Jahrhundert Santiago de Compostella. Im Mittelalter zog der heilige Nikolaus viele Pilger an. In Worms wurde eine Reliquie verehrt, die die byzantinische Prinzessin Theophanu im Gepäck hatte. Noch heute zieht es Verehrer nach Saint Nicolas de Port vor den Toren von Nancy. Aber Reliquien können nur die wenigsten Wallfahrtsorte vorweisen. Es sind dann Skulpturen oder Bilder, die am Ziel der Wallfahrt verehrt werden.

Foto: hinsehen.net

Foto: hinsehen.net

In einem abgelegenen Ort hatte ein Hirte eine Marienfigur geschnitzt. Wiesental heißt die Gegend, Marienthal der Ort, der sich um dieses Wallfahrtsziel bildete. Das war 1423. Weil der Hirte die Figur unter einen Baum stellte, hielt sein Schnitzwerk der Witterung nicht stand. Um 1460 wurde die Figur neu geschnitzt und dafür eine Kapelle gebaut, so dass das Bildnis bis heute erhalten ist. Maria hält nicht das Jesusbaby auf ihrem Arm, sondern den toten Sohn. Der schon steif gewordene Körper kann von der Mutter nur mühsam gehalten werden. Pieta wird diese Darstellung genannt.

Die Statue steht in einer Seitenkapelle. Beter stellen kleine Teelichter auf und verweilen eine Zeitlang. Was sie Maria zu sagen haben, bleibt in der Stille. Die anderen Beter sind auch nicht neugierig, sondern mit ihren Anliegen beschäftigt. Wie an anderen Wallfahrtsorten finden sich auch Tafeln, meist mit der einfachen Mitteilung „Maria hat geholfen“. Marienstatuen gibt es in fast jeder Kirche. Was hat die Figur in dem abgelegenen Marienthal Besonderes? Sie genießt den Ruf, dass Gebete vor dieser Statue erhört worden sind. Das soll nach der Legende schon der Hirte erfahren haben. Diese Bedeutung der Statue wurde nicht von offiziellen Kirchenvertretern dekretiert, sondern hat sich bei den Leuten herumgesprochen. Die Wallfahrtsbilder sind keine Denkmäler, die Bürgermeister oder Landesherren auf öffentlichen Plätzen aufgestellt haben. Es sind auch nicht gelehrte Theologen, die die Walfahrer auf den Weg gebracht haben, sondern fast immer einfache Leute oder, wie in Fatima, La Salette oder Lourdes.

Aufnahme Mariens in den Himmel Wallfahrtskirche Marienthal Foto: hinsehen.net

Aufnahme Mariens in den Himmel Wallfahrtskirche Marienthal Foto: hinsehen.net

In der Wallfahrtskirche von Marienthal ist , entsprechend der Bauzeit, das Barockmotiv umgesetzt, die Vollendung Marias durch ihre Aufnahme in den Himmel.

Eckhard Bieger

Kloster Marienthal

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s