Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg


Mitten in Berlin, in Schöneberg, neben der S-Bahn ein ausgespartes Waldstück, das seit 1856 den Toten gewidmet ist. Sie sollen hier von den Anstrengungen und den Wirrnissen des Lebens ausruhen können. Wer den Friedhof betritt, dem schlägt diese Ruhe entgegen. Bäume haben sich angesiedelt und nehmen das letzte Quäntchen Hektik aus der Luft, die in der angrenzenden Großstadt vibriert. Man geht langsamer, liest die Namen auf den Grabsteinen.

Foto: hinsehen.net

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Wenn man weiter in den Friedhof hineingeht, stößt man auf die Namen Wilhelm und Jakob Grimm. Sie sind in Berlin, nicht in Hanau begraben. Unter den vielen Großen, die auf den Friedhöfen Berlins ruhen, gehen sie fast unter, während sie der Industriestadt Hanau kulturelles Flair verschaffen. Unweit der beiden Grabsteine findet sich die Plakette, die an die vielen Menschen erinnert, die dem Aidsvirus zum Opfer gefallen sind.

Foto: hinsehen.net

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„Angels never die“ steht auf einem Grabstein für Ingo, den Hells-Angel, der 50 Jahre alt geworden ist. Offensichtlich gibt es in der Hölle nicht nur Teufel, sondern auch Engel.

Foto: hinsehen.net

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Auf jeden Fall beanspruchen die Höllenengel friedhofsgerecht Unsterblichkeit. Für viele der Toten braucht es offensichtlich eine besondere Hoffnung, die verbürgt der Evangelist Matthäus, dem dieser Ausschnitt aus dieser Park, der aus dem Häusermeer der Großstadt ausgeschnitten. Matthäus berichtet im letzten Kapitel seiner Leben-Jesu-Berichts von den Frauen, die morgens zum Grab kommen und von Engeln begrüßt werden, Jesus erscheint den Frauen, die er dann zu den Männern schickt. Die Jünger ruft er auf einen Berg und gibt ihnen den Auftrag, in seinem Namen bis an die Grenzen der Erde zu gehen. „Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt.“ Sein Auftrag lautet „geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch gesagt habe.“ Was von Jesus zu berichten ist und was er gelehrt hat, ist in den Kapiteln des Evangeliums aufgeschrieben. Wie unterschiedlich die Wege der Menschen sind, ehe sie an der Schwelle des Todes ankommen, das lässt sich auf dem Friedhof studieren.

Eckhard Bieger S.J.

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