Gott – ein Jemand oder eine Kraft?

Unser Universum kommt aus dem Urknall. Nur bis dahin reicht die Physik. Was bzw. wer ist aber die Ursache, nicht zuletzt die des Menschen. Der ist ja nicht nur das Zufallsprodukt der Evolution, sondern trägt in seinem Gewissen Notwendigkeit mit sich. Die unbedingte Würde des Menschen, ausbuchstabiert in den Menschenrechten, haben wir zur Basis des Zusammenlebens erklärt. Notwendigkeit kann nicht aus Zufall hergeleitet werden. Auch ist eine demokratische Verfassung kein Naturprodukt, sondern freie Übereinkunft, um die Freiheit des einzelnen als das entscheidend Menschliche zu bestimmen.

Fahrplan

Foto: hinsehen.net

Die Freiheit als entscheidende Ausstattung des Menschen

Die Freiheit ermöglicht jedem Menschen, sein Lebensschiff selbst zu steuern. Deshalb sind freie Berufswahl und die freie Wahl des Lebenspartners Voraussetzungen, um tatsächlich das Steuer des Lebensschiffs in die Hand zu bekommen. Hinzu kommt das Freiheitsrecht der Wahl, um die Entwicklung des Gemeinwesens mitbestimmen zu können. Das wieder erfordert eine umfassende Informationsfreiheit und Schutz vor willkürlichen Zugriffen der Mächtigen. Freiheit heißt damit zuerst einmal, selbst entscheiden zu können. Freiheit heißt aber auch Zwang, nämlich  entscheiden zu müssen. Die dramatischen Geschichten, wie Menschen Freiheit erringen, sind unzählig. Viel schwieriger sind die Biografien dazustellen, die an der Freiheit scheitern, indem sie wichtige Entscheidungen nicht in die Hand nehmen. Anders als wenn die Freiheit von außen eingeschränkt wird, ist die Verweigerung gegenüber dem Entscheidungszwang der Freiheit selbst wieder eine freie Entscheidung. Wer nicht entscheidet, entrinnt damit seiner Freiheit nicht. Er entscheidet, nicht zu entscheiden. Was oder wer aber kann den Menschen zwingen, frei zu sein?

Der Zwang zur Entscheidung gehört zur Natur der Freiheit

Dieser oben aufgezeigt Zwang zur Freiheit kann als etwas Naturhaftes verstanden werden. Die Freiheit erscheint so als etwas Naturhaftes, denn der Mensch muss entsprechend dem inneren Gesetz dieser Ausstattung aktiv werden, genauso wie er sich, erzwungen durch den körperlichen Stoffwechsel, auf die Suche nach Nahrung aufmachen muss. Da die Freiheit sich in der Zeit vollzieht und mit einigen grundlegenden Richtungs- und vielen kleinen Entscheidungen die Biographie eines Menschen formt, hat sie etwas, an dem der Mensch nicht vorbeikommt. Ist damit aber schon die Frage geklärt, ob eine allgemeine Naturkraft als Ursache ausreicht, dass so etwas entsteht wie menschliche Freiheit?

Freiheit erfordert Sittlichkeit

Die Freiheit des Menschen ist mit dem Gewissen und der von dieser Instanz geforderten Achtung der Menschenrechte verbunden. Biologisch ist der Mensch nicht mehr instinktgeleitet, sondern das Handeln unterliegt dem Urteil des einzelnen. Es geht dabei nicht nur um die Frage, ob jemand die Wahrheit sagt oder ob er lügt, sondern die Ermöglichung von Berufs- und Partnerwahl und anderer lebensbestimmender Entscheidungen. Sich für einen Beruf zu oder gar aus einer Liebesbeziehung heraus für eine Lebenspartnerschaft zu entscheiden, setzt Reflexion voraus und überhaupt die Möglichkeit, mit diesem Menschen auch keine Partnerschaft einzugehen oder doch nicht Medizin zu studieren, obwohl der Notendurchschnitt das nahelegt. Hat die Freiheit in ihrem Zwang zur Entscheidung etwas Naturhaftes, so die Entscheidung nicht mehr. Wäre die Entscheidung naturhaft erfolgt, wäre sie eben nicht frei, sondern wie die Körpergröße oder die Hautfarbe einfach gegeben.

Die Ursache der Freiheit muss selbst frei sein

Wenn es ein Wesen gibt, das nicht nur naturhaft sein Leben lebt, sondern auf Grund der Freiheit aus seinem Leben eine einmalige Biografie formt, dann ist die Bedingung für eine solche Biografie nicht mehr allein in der Natur zu suchen. Diese muss allerdings so gestaltet sein, dass sich Freiheit in ihr verwirklichen kann. Die Unschärferelation und andere physikalische Größen eröffnen der Freiheit die Möglichkeiten, nicht naturhaft, sondern reflektiert zu entscheiden. Auch die Hirnforschung kommt an den Kern der Freiheit nicht heran. Denn sie kann das Bewusstsein, in dem sich die Entscheidungsprozesse abspielen, nur von außen mit Kernspintomograph u.a. Messverfahren beobachten. Aus den gemessenen Strömungen können allenfalls Rückschlüsse auf das gezogen werden, was im Bewusstsein geschieht. Beobachten kann man das Bewusstsein selbst nicht.

Die Freiheit selbst ist aber gerade nicht Natur, sondern das Andere, das sich nicht messen noch auf Grund von Gesetzmäßigkeiten vorausbestimmen lässt. Wenn man die Freiheit als gegeben annimmt und nicht mit noch zu erwartenden Erkenntnissen der Hirnforschung wegdiskutiert, dann kann die Ursache unserer Freiheit nicht in den Naturgesetzen gesucht werden. Diese würden ja ohne Reflexion wirken und eben nicht Raum für Entscheidungen lassen. Es muss eine Instanz sein, der wir uns eher mit personalen als mit naturhaften Beschreibungen nähern können. Sie ist sicher kein Abbild des Menschen, sondern eher ist der Mensch Abbild. Das ist die Intuition der Religionen, dass der Mensch den Funken des Göttlichen in sich trägt. Wie aber soll der Mensch, wenn er diesen besonderen Funken in sich trägt, entscheiden? Hier geht es um einen weiteren Aspekt der Freiheit, nämlich dass Freiheit erst Freiheit wird, wenn sie Einmaligkeit ermöglicht. Dazu folgt ein weiterer Beitrag.

Eckhard Bieger S.J.

Links:

Gottesbeweis aus dem Gottesgedanken
Gott kommt im Menschen vor
Physik führt zur Metaphysik

Ein Gedanke zu “Gott – ein Jemand oder eine Kraft?

  1. Pingback: Das Ich ist unsichtbar | hinsehen.net

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s