Die revolutionäre Kraft des Luxus

Luxus bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt ‚Verschwendung‘ oder auch ‚Üppigkeit‘. Meist wird oder wurde dem Luxus moralisch eine deutlich negative Nuance gegeben. Viele Menschen erträumen sich jedoch ein schönes Haus, ein komfortables oder sportliches Auto, ein feines Essen in einem erstklassigen Restaurant, teuren Schmuck, kostspielige Reisen usw. Es besteht die Sehnsucht, den üblichen Lebensstandard zu überschreiten und das Gefühl, dass man sich etwas gönnt und es auch wert ist. Nur wenigen Menschen gelingt es jedoch, im Luxus zu schwelgen. Viele neiden anderen ihren Lebensstil und führen gleich ins Feld, dass die Schere zwischen Reich und Arm immer größer würde. Gerechtigkeit wird angemahnt und dass alle Menschen gleiche Rechte hätten.

Eine Lanze für den Luxus zu brechen, erscheint wie ein Sakrileg. Nur wenn ein materieller in einen ideellen Luxus umgedeutet wird, darf man sich in die öffentliche Diskussion wagen. Da werden dann Zeit, Freunde, Familie, geistige und kulturelle Werte genannt. Einige „Reiche“ setzen sich trotzig dagegen ab und präsentieren ihre Luxusgüter wie Waffen, um zu zeigen, dass sie es geschafft haben und sich solche Dinge leisten können. Kirchliche oder religiöse Gruppen halten das Armutsideal hoch und wirken oft nur wie Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit. Die Diskussion scheint durch das Betonen der Armut nicht wirklich konstruktiv weiter geführt zu werden. Die kritische Position eines Armutsideals ist klar und bestärkt möglicherweise vor allem die in ihrem depressiven Impetus, die neidvoll auf die „Reichen“ gucken. Absurd wird es, wenn Superreiche angeregt durch Ermahnungen des Papstes o. a. großzügige Spenden an soziale Einrichtungen geben und keinen Augenblick des Nachdenkens dafür verwenden, wie sie denn zu diesem Reichtum gekommen sind und was sie ansonsten mit ihrem vielen Geld machen.

Foto: hinsehen.net E.B.

Foto: hinsehen.net E.B.

Geld und Luxus

Wer genügend Geld hat, kann sich das kaufen, was sein Herz begehrt, was er oder sie für Luxus hält. Menschen sparen ihr Geld, um sich einen Luxustraum zu erfüllen. Ob jemand tatsächlich das gekaufte Objekt für Luxus hält, was als Luxusartikel gilt, dürfte auch abhängig davon sein, wie selbstverständlich er oder sie sich dieses Luxusobjekt kaufen kann. Wenn jemand seine erste Arbeitsstelle hat und eigenes Geld verdient, kommt es ihm als Luxus vor, wenn er nicht mehr einen Gebrauchtwagen kaufen muss, sondern ein neues Auto leasen kann. Ist er dann eine Gehaltsstufe höher geklettert, scheint es banal zu sein, dass das nächste Auto ein Neuwagen ist. Je höher das Einkommen, desto teurer die Luxusobjekte. Nach oben scheint es keine Grenze zu geben, doch manche Superreichen machen den Eindruck, dass sie erstens nicht mehr wissen, was sie mit ihrem vielen Geld machen sollen und auch den Sinn für Luxus verloren haben. Sie können sich alles leisten und Luxus ist so normal geworden, dass nur noch immaterielle Dinge zu Luxusgütern werden können, weil für solche Dinge das Geld in vielerlei Hinsicht keine Rolle mehr spielt. Vielleicht gönnen sich dann solche Superreichen den Luxus, Charity-Veranstaltungen zu organisieren, um für ein soziales Projekt bei den andern Reichen Geld einzusammeln.

Die Besessenheit Luxus

Irgendwie hat Luxus mit Besitz zu tun, man möchte etwas Besonderes haben, was als wertvoll gilt und nicht unbedingt von großem Nutzen ist. Luxus ist das Überflüssige und doch von großem Wert für den, der es besitzt. Für den einen ist der Aufwand hoch, weil er Geld ansparen muss für das ersehnte Objekt, für den anderen ist der Beschaffungsaufwand sehr enorm. In beiden Fällen hat sich eine Verbissenheit entwickelt. Ein bestimmtes Objekt wird als besonders wertvoll erachtet, obwohl es keinerlei Gebrauchswert hat und oft auch kein Statussymbol darstellt. Doch diese Besessenheit ist wider Markenfetischismus und Konsumismus. Luxus kann im einfachen Sinne nicht konsumiert werden, auch wenn es das Menü bei einem Sternekoch ist. Luxus ist auch nicht als Trotz zu verstehen, wie es Theodor W. Adorno beschrieb. Wer Luxus will, kämpft dadurch nicht gleich gegen ein Effizienzdenken, wie es im Kapitalismus gilt. Und auch der Vergleich mit einer ästhetischen Dimension wie in der Kunst erklärt nicht die Besessenheit mancher Menschen bei der Suche nach dem ultimativen Luxus. Der Mensch, der Luxus sucht und mit all seiner Energie sein Ziel des Habens erreichen will, stellt sich gegen jedes System. Es ist weder kapitalistisch noch antikapitalistisch, es ist auf das Eigene bezogene und damit ist Luxus revolutionär, weil Parteien nicht akzeptiert werden. Nur das, was das Ich will, zählt. Streben viele Menschen nach diesem Luxus, dann funktionieren Systeme nicht mehr. Und vielleicht ist Luxus daher eine größere umstürzende Kraft als der Klassenkampf oder ähnliche Vorstellungen vom Umsturz der Verhältnisse.

Thomas Holtbernd

 

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