Der Islam muss sein Gewaltproblem selbst lösen und zwar theologisch

„Terroristen, die ihre Attacken im Namen des Islam ausführen, üben Betrug an der Religion und ihren Gläubigen.“ Das sagt der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek gegenüber Radio Vatikan. Die Analyse greift jedoch zu kurz. Der Islam muss klären, ob der Koran nur für die Rechtfertigung von Gewalt herhalten muss oder selbst eine motivierende Kraft ist. Die Frage drängt. Die Ablehnung des Islam wächst. Reichen tatsächlich soziale Strategien aus, um Menschen vor dem Tod, auch vor dem Selbstmord  zu bewahren? Auf jeden Fall muss der Islam selbst die Gewalt zurückdrängen.

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An mittelalterlichen Kirchen hat man das Dämonische dargestellt, ob es abzuwehren. In allem Menschlichen steckt die Gefahr des Dämonischen. Wasserspeier am Freiburger Münster

Die islamischen Länder haben die meisten Terroropfer

Entscheidender ist noch, dass die meisten der 32.000 Terroropfer im Jahr 2014 in islamischen Ländern, nämlich in Afghanistan, Irak, Syrien, Pakistan und Nordnigeria umgekommen sind. Gegenüber dem Sprecher der deutschen Muslime ist erst einmal festzuhalten, dass nicht nur die meisten Terroropfer in islamischen Ländern zu verzeichnen sind, sondern dass der Konfessionskrieg zwischen Schiiten und Sunniten, den Persien und Saudi Arabien in Syrien, im Jemen und im Irak führen, die Gewaltspirale weiter treibt. Der Islam sollte nicht dem Beispiel der christlichen Konfessionen folgen, die durch ihre Kriege im 17. Jahrhundert nicht zur Ausrottung eines großen Teil der Bevölkerung beigetragen, sondern die Religion so diskreditiert haben, dass im Westen die Intellektuellen sich von der Religion abwandten. Heute lässt Europa wieder zu, dass ein Konfessionskrieg nicht beendet wird. Denn der Krieg zwischen Schiiten und Sunniten kann nicht zuletzt deshalb weitergehen, weil die Folgelasten, nämlich die Flüchtlingsströme, von Europa aufgenommen werden, so dass weder Persien noch Saudi Arabien unter Druck geraten, den Krieg endlich zu beenden, der ja mit dem Einmarsch der Truppen Saddam Husseins in Persien 1980 begann und bis 1988 dauerte.

Der Islam dient zur Rechtfertigung für Gewalt

Nach Umfrageergebnisse des Instituts Metropoll  vom Januar 2015 billigten 20% der 3.800 befragten Türken den Anschlag auf die Redaktion von Charli Hebdo und gleich viele sahen die Gewaltanwendung als Strafe für die Blasphemie.  Nach einem Bericht der türkische Frauenorganisation „We will stop Femicides“ sterben jährlich nicht nur etwa 250 Frauen durch die Hand ihrer Männer oder Brüder, Gewalt gegen Frauen wird von der islamischen Kultur nicht geächtet. Wenn Gewalt zwischen den Geschlechtern durch die Religion nicht gemindert, sondern im Islam wohl eher gerechtfertigt wird, dann kann man das Gewaltproblem nicht auf die durch Jugendlichen verübten Terroranschläge reduzieren. Und gibt es nicht eine bis heute wirksame Linie, die den Islam als Kampf, nicht wie im Christentum gegen die eigenen Begierden, sondern gegen die Feinde des Islam versteht. Und gelten nicht diejenigen, die den Islam nicht übernehmen, als Feinde Allahs?
Der Theoretiker des Jihad, Abu Musab al Suri, der das Handbuch für die Anschläge zur Destabilisierung des Westens geschrieben hat, bezieht sich ausdrücklich auf den Willen Allahs: „Der dschihadistische Terror durch Einzelne, der nach Regeln des urbanen Guerillakriegs erfolgt, ist die Grundlage dafür, dass der Feind ermüdet und er in einen Zustand des Zusammenbruchs und Rückzugs getrieben wird, so Allah will.“

Der Islam muss seine Probleme endlich entschiedener angehen

Der Sprecher der deutschen Muslime hat Recht, wenn er Gewalt als Betrug an der Religion bezeichnet. Aber wer hat die Aufgabe, diesen Betrug aufzudecken und entschieden dagegen vorzugehen? Haben nicht viele Prediger des Islam Gewalt gegenüber dem dekadenten Westen gerechtfertigt, ohne dass die Moscheevereine eingeschritten sind? Ein Vergleich zeigt die Defizite des Islams wie der westlichen Medien. Als in der katholischen Kirche die Missbrauchsfälle und die Geldwäsche durch päpstliche Finanzinstitute bekannt wurden, war völlig klar, wer das Problem zu lösen habe: Die katholischen Kirche selbst. Wie die Gewaltproblematik im Islam schwelte die Missbrauchsproblematik wie das Finanzgebaren des Vatikans über Jahrzehnte. Es fehlte der entschlossene Wille, mit dem Fehlverhalten Schluss zu machen. Diese Entschlossenheit lässt das Statement des deutschen Islamvertreters vermissen. Niemand hätte der katholischen Kirche eine solche wachsweiche Erklärung abgenommen, die Aiman Mazyek so formuliert: „All die Mittel und Methoden, die wir in der Vergangenheit gegen Terror eingesetzt haben, sind gescheitert.“ Kann es nicht sein, dass der Islam selbst die Methoden nicht hat, weil er sein zwiespältiges Verhältnis zur Gewalt nicht geklärt hat.

Es ist letztlich eine religiöse Frage: Will Gott, dass seine Feinde bestraft und sogar durch Attentate getötet werden. Darauf berufen sich ja die Dschihadisten und die Selbstmordattentäter sind sich der himmlischen Belohnung sicher. Erst wenn der Islam die Gewaltfrage entschiedener geklärt hat, können sich Attentäter nicht mehr auf den Koran berufen und damit die Solidarität der Gläubigen erzwingen.

Eckhard Bieger S.J.

Interview Aiman Mazyek von mit Radio Vatikan 

Zum Global Terrorism Index der Universität von Maryland aus dem November 2015

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