Warum darf das Frauenbild des Islam nicht religiös geprägt sein?


Warum wurden Meldungen über die Täter zurückgehalten, die in der Silvesternacht Frauen sexuell angegangen sind? Es waren wohl muslimische junge Männer. Viele von ihnen hatten gerade um Asyl gebeten bzw. einen Flüchtlingsstatus erhalten. Sie hatten die Hoheit über den Platz, den Dom, eine christliche Kirche schon früh mit Raketen beschossen, um den Gottesdienst zu stören. Und das hat alles nichts mit dem Islam zu tun? Es gibt in allen Zeitungen Beiträge, die einen religiösen Zusammenhang verneinen. Was fällt den Protagonisten der Aufklärung, vor allem der „Zeit“ so schwer, den religiösen Einfluss zu akzeptieren?

Der Islam versteht sich als die ultimative Religion

 Die jungen Männer kommen aus einem Denkhorizont, der ihnen erklärt, dass der Islam die höher stehende Religion ist, die auf der ganzen Welt bestimmend werden muss. Warum nicht am Silvesterabend eine erste „Übung“, um die Überlegenheit des Islam zu demonstrieren? Die jungen Männer haben von ihren Predigern gehört, dass der Westen wegen seiner Dekadenz sowie zum Untergang verurteilt ist.
Amal Ghorayeb, Politikwissenschaftlerin von der Libanesisch-Amerikanischen Universität in Beirut schreibt in Telepolis: „Die Menschen im Westen sind aus der Sicht der al-Qaida-Ideologie durch die technische Modernisierung fremdbestimmt. Der Kapitalismus bestimmt alle Lebensbereiche, pervertiert die Sexualität und erzeugt übertriebene Individualität. Es ist eine Gesellschaft des Materialismus, ohne Moral und Ethik. Die Menschen im Westen sind ein Musterbeispiel für das, was im Koran als Götzenanbeter, bezeichnet wird, die vom Satan verführt worden sind.“
Bereits Al Quaida und dann das sunnitische Kalifat geht von einem Endsieg aus, der für 2020 zu erwarten sei. Es sei wieder auf Telepolis verwiesen: Die Vision vom Endsieg ab 2020. „Al-Sarkawi und Co. setzten nicht nur auf ihre Strategie, sondern auch auf die demografische Macht. 1,5 Milliarden Muslime auf dem Dschihad würden schlicht die Unterwerfung der Nichtmuslime zur Folge haben. Der Endkampf werde nicht länger als zwei Jahre benötigen.“ Mit solchen Perspektiven im Hinterkopf ist die organsierte Inbesitznahme des Platzes zwischen Dom und Hauptbahnhof doch naheliegend. Warum sollen die Kämpfer bis 2020 warten. Ihnen gehört dann der Westen sowieso. Trotz der gezielten Desinformation der Behörden in NRW haben sich inzwischen hunderte Frauen gemeldet, die belästigt wurden. Man kann die Vorfälle medial nicht weiter herunterspielen.

Folgen des Patriarchalismus – einfach so?

Welchen Hintergrund hat die muslimische Konvention, dass die Frauen sich mit langen Röcken und Kopftuch bekleiden müssen. Sicher ist das Kopftuch für viele muslimische Frauen zu einem Zeichen der Abgrenzung gegenüber dem freizügigen Frauenbild des Westens geworden. Aber warum verhindert diese Konvention nicht, dass die sexuelle Belästigung von Frauen ein durchgehendes Phänomen in Nordafrika ist? Da die muslimischen Männer von ihren Frauen Verhüllung verlangen, können sie westlichen Frauen als „Huren“ bezeichnen. Steht nicht doch die Belohnung im Paradies mit 72 Jungfrauen im Zusammenhang mit diesem widersprüchlichen Verhalten? Es ist doch wohl zu klären, ob die Ungleichbehandlung der Frauen und damit die Verweigerung von Gleichberechtigung nicht auch religiös gerechtfertigt werden. Warum können gerade Wissenschaftler die religiöse Komponente nicht wahrnehmen?

Die Aufklärung steht der Erkenntnis im Wege

Die Aufklärung hat sich in bewusster Absetzung von der christlichen Religion etabliert. Das von ihr abgelehnte Ancien Régime war durch eine dominante Stellung der katholischen Kirche geprägt. Da nicht alle Aufklärer gleich Atheisten waren, jedoch nicht vom bisherigen Christentum überzeugt waren, brauchte es eine andere Religion, die der Vernunft eher gerecht würde. Diese fanden Lessing, Goethe u.v.a im Islam;  dieser galt als rationaler als das Christentum, da er ohne Komplizierung des Gottesbildes durch eine Trinitätslehre auskomme. Auch lobte man den rationaleren Verlauf der Gottesdienste. Hingewiesen sie nur auf Lessings „Nathan der Weise“. Der Jude Nathan wird als schlau charakterisiert. Der christliche Patriarch von Jerusalem wird als gewalttätiger Rächer dargestellt. Der muslimische Herrscher Saladin wird als tolerant und verständnisvoll charakterisiert, der den christlichen Temperritter frei lässt. Dieser Islam ist uns sehr nahe gerückt und zeigt sich gerade gegenüber dem Westen feindlich. Das passt nun gar nicht in das Weltbild westlicher Intellektueller. Gewalt hat die Aufklärung ja genug ausgeübt, zuerst mit der Guillotine während der Französischen Revolution und dann mit den Kriegen unter Napoleons Herrschaft. Aber gegen den Islam, wie er sich jetzt zeigt, hat die inzwischen atheistisch gewordene Aufklärung keine Argumente, sondern nur Bomben.

Reden, nicht bombardieren

Die Kölner Ereignisse sollten nicht durch Aufstockung der Polizei bewältigt werden. Es braucht das Religionsgespräch. Der Islam muss sich mit westlichen Werten und nicht zuletzt mit dem Frauenbild auseinandersetzen. Viele muslimische Frauen erwarten das dringend vom Westen, damit sich die Rollenzuschreibung, in die sie gedrängt werden, entwickeln kann. Der Westen sollte sich vom Waffeneinsatz Abstand nehmen und endlich die intellektuelle Herausforderung annehmen. Dann müsste sich die Aufklärung von ihrem bisherigen Religionsbegriff verabschieden. Wer die Festigkeit universitär genährter Sichtweisen kennt, wird allerdings wenig Hoffnung haben. Vielleicht lösen sich die Medien von dem Nachhecheln hinter der Aktualität und betreiben Aufklärung, wie sie in diesen Jahren gefordert ist.

Eckhard Bieger S.J.

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