Kampf zwischen „Freiheit und dunkler Ideologie“

Die Terroranschläge am 7. Januar und 13. November 2015 in Paris haben unsere Welt verändert. Wer heute Weihnachtsmärkte, Konzerte oder sonstige größere Veranstaltungen besucht, wird stets von einem mulmigen Gefühl begleitet: Was, wenn auch hier ein Attentäter die Sünder rächen will? Ein Plädoyer für mehr europäischen Zusammenhalt und für ein Festhalten an unseren westlichen Werten mit Alexander Kisslers Buch: „Keine Toleranz den Intoleranten: Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

Was ist der IS und wofür steht er?

Vor wenigen Jahren hätte wahrscheinlich kaum jemand etwas mit der fundamentalistischen Terrororganisation „IS“ (früher ISIS) anfangen können. Dies hat sich jedoch mit dem Jahr 2014 und dem Beginn des„Heiligen Krieges“ radikal geändert. Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thoring-Schmidt spricht von einem Kampf zwischen „Freiheit und dunkler Ideologie“. Im Juni 2014 gelang es dem selbst ernannten „Islamischen Staat“ die zweitgrößte irakische Stadt Mossul einzunehmen und er erklärte sie daraufhin zu seiner Hauptstadt. Inzwischen kontrolliert der IS das Gebiet im Nordosten Syriens entlang des Euphrats bis hin zum Irak. Mit den Anschlägen in Frankreich hat der Terror nun auch Europa erreicht und der IS schwenkt seine schwarzen Fahnen in der Hoffnung auf Sieg und in der Hoffnung weltweit einen Gottesstaat (Kalifat) errichten zu können (dazu: Ipb.de und Welt.de). In den Augen der IS-Anhänger sind wir, der Westen als Kollektiv, Sünder. Alle, die nicht der IS Ideologie anhängen, gleich ob Christen, Juden oder Muslime, gelten als Häretiker, die man entweder zur Bekehrung nötigen oder gewaltsam töten müsse. Aus diesem Grund fungiert der IS in seiner verqueren Logik als Handlanger Gottes, der das Jüngste Gericht schon auf Erden praktizieren und die Sünder bestrafen müsse.

Wofür steht Europa?

Der Westen steht für freiheitliche Menschenrechte, dazu zählen notwendigerweise die Freiheit der Meinung und der Religion, aber auch eine Demokratie, in der nicht Gott, sondern das Volk herrscht. Unsere Mentalitätsgeschichte sieht sich fest verankert in Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz. In Bezug auf die Toleranz zitiert Kissler die biblische Parabel vom Unkraut unter dem Weizen: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte“. Dieser Vers aus dem Evangelium symbolisiert nur einen unserer europäischen Grundpfeiler – denn Respekt gegenüber anderen Meinungen, anderen Kulturen und generell anderem menschlichen Leben, vereint Italien wie Deutschland, Frankreich genauso wie Amerika. Die endgültige „Ernte“ in religiösen Fragen wird dabei Gott überlassen.

Der Westen will ein Schmelztiegel der Humanitas, der Menschlichkeit sein. Gerade aus diesem Grund stehen wir im Gegensatz zum IS, der mit allen Mitteln versucht durch Propagandavideos Angst zu schüren, Menschen kleinzuhalten und zu verunsichern.

Die richtige Zeit für europäische Zweifel?

Wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit, dem Ukraine-Konflikt und der Flüchtlingskrise, steht auch Europa in der Kritik. Und auch jetzt, nach den Anschlägen auf Paris, herrschen Uneinigkeit und Zweifel. Besonders Deutschland weiß nicht, wie es sich im Angesicht des Terrors verhalten soll. Krieg: Ja, nein oder vielleicht?

Eins ist klar: In Europa ist kein Platz für einen Gottesstaat. Unser westliches Prinzip sieht vor, dass die Religion niemals über den Staat bestimmen darf. (vgl. Kissler, S. 174). Wir dürfen jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern müssen uns zu unseren Werten der Meinungsfreiheit, Toleranz und Gleichheit bekennen, die der IS mit seiner Ideologie zu bekämpfen versucht. Es ist Zeit, dass wir uns auf unsere Werte zurückzubesinnen. Jemanden anzugreifen, weil er in Form einer Karikatur Kritik übt – angemessen oder unangemessen sei außen vor gelassen – ist zu verachten. Wir dürfen kritisieren, wen und was wir wollen. Toleranz schließt auch eben das ein. Der Literaturwissenschaftler und Cicero-Autor Dr. Alexander Kissler hebt hierbei hervor: „Wer auf eine juristische Sonderbehandlung pocht aufgrund einer religiösen Spezialdoktrin […], verlässt die Bezirke eines zivilbürgerlich organisierten Gemeinwohls“ (Kissler, S. 175). In diesem Sinne sollten wir, der Westen, gerade jetzt näher zusammenrücken. Europa darf nicht in Zweifel ersticken, sondern muss lernen einer neuen Leitkultur zu folgen, die auf Selbstbewusstsein basiert. Nur gemeinsam sind wir stark und können unser Band der religiösen und individuellen Toleranz und Freiheit, welches uns alle vereint, beschützen.

Jill Graw

Literaturverweis: Kissler, Alexander, Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss, Gütersloh 22015.

 

Ein Gedanke zu “Kampf zwischen „Freiheit und dunkler Ideologie“

  1. … Wer die intellektuelle Schwäche des Westens in der Auseinandersetzung mit dem IS überwinden will, wie es einige Philosophen und Theologen fordern, muss, meiner Ansicht nach, die Polarität von Religiösem und Weltlichem, die aktuell wieder oft beschworen überwinden und zutiefst anzuerkennen, dass die Erosion des Christlichen und der neue Atheismus im Zusammenhang mit dem Wirken Gottes stehen. mehr: manfredkoerber.com

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