Stille Nacht, (h)eilige Nacht

Das Jahr neigt sich mal wieder langsam dem Ende zu. Der Oktober geht vorbei, dicht gefolgt vom November und dann ist es auch schon so weit: Der Dezember steht vor der Tür! Sobald der letzte Monat des Jahres angebrochen ist und die Adventszeit in den Startlöchern steht – startet der Countdown zum alljährlichen Weihnachtschaos in 3.. 2.. 1.. !

Phase 1: Der Adventskranz

Advent, Advent ein Lichtlein brennt.. Oh! Wie soll denn überhaupt irgendwo ein Lichtlein brennen, wenn man kurz vor dem 1. Advent noch keinen Adventskranz hat? Mal überlegen – selbst die Mühe und Arbeit machen und einen Adventskranz basteln oder lieber einen fertigen kaufen? Naja, es ist kurz vor knapp – also einfach einen schnell kaufen! Ok, erledigt – abgehakt. Was steht als nächstes auf der Vorweihnachts-To-Do-Liste?

Weihnachtsmarkt FfmPhase 2: Auf dem Weihnachtsmarkt gesehen werden

Der Weihnachtsmarkt: Ein ziemlich wichtiges Event in der Vorweihnachtszeit, welches man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Das Ziel: Sehen und gesehen werden. Also nichts wie los, ab in das Getümmel. Samstagabend – der beste Zeitpunkt, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. Etwa nicht?

Menschen. Viele Menschen. Eine Menschenmasse. Alle dicht an dicht mit dick gefütterten Winterboots, warmen Daunenjacken, großen Wollschals und bunten Bommelmützen. Musik, Gespräche, Kindergeschrei. Der Duft von gebrannten Mandeln, Bratwürsten und Knobi-Baguette steigt einem in die Nase. Es gibt große, mit Liebesgeständnissen beschriebene Lebkuchenherzen neben Schokoerdbeeren und Zuckerwatte. Verrückte, hell aufleuchtende, blinkende Fahrgeschäfte und natürlich das beeindruckende, funkelnde Riesenrad. Wahnsinn. Allmählich wird es kalt – darauf erstmal ein heißes Gläschen Glühwein – Cheers to that!

Phase 3: Plätzchen backen

Man will die Kinder und den Ehemann nicht enttäuschen und natürlich mit den Frauen aus der Nachbarschaft mithalten können, also wird gebacken – was das Zeug hält! In der Weihnachtsbäckerei laufen der Ofen und die Küchenmaschine auf Hochtouren. Marmeladenplätzchen, Vanillekipferl und die mit Zuckerguss und bunten Perlen verzierten Butterplätzchen dürfen nicht fehlen. Aber wer räumt nach so einer Plätzchen-Action wieder die Küche auf? Das Spülen überlassen wir jedenfalls der Spülmaschine.

Phase 4: Alle Jahre wieder

Da wir mittlerweile alle mitbekommen haben oder es im Laufe unseres Lebens mitbekommen werden: Den Weihnachtsmann und seinen Rentier-Schlitten gibt es leider nicht. Es nimmt uns also niemand das Last-Minute-Geschenke-kaufen ab. Entweder ist es die Innenstadt oder ein Einkaufszentrum, in dem wir selbst unsere Besorgungen machen müssen. Alles ist festlich geschmückt, bunte Lichter leuchten überall und in jedem Geschäft erklingen die üblichen Verdächtigen wie Last Christmas von Wham oder All I Want For Christmas Is You von Mariah Carey. Hört sich doch alles ganz nett und entspannt an oder? Der Schein trügt! Neben all den weihnachtlichen Düften liegt auch Hektik in der Luft.

Phase 5: Oh Tannenbaum

Plastik oder echt? Selbst gefällt oder selbst gekauft? Nicht zu groß, nicht zu klein. Nicht zu dick, nicht zu dünn. Nicht zu grün, nicht zu nadelig. Aber wie soll er denn sein, der Tannenbaum? Naja, wie wäre es mit perfekt?! Es ist ja wohl das IT-Piece schlechthin in den Wohnzimmern am Heiligen Abend. Wunderschön, pompös geschmückt – hell erleuchtet mit einer funkelnden Spitze. Aber Achtung aufgepasst: Manchmal verstecken sich auch Eichhörnchen im Tannenbaum, die Katze spielt mit dem Baumschmuck oder der Hund markiert das Bäumchen – oh Tannenbaum, oh Tannenbaum!

Phase 6: Das perfekte Weihnachtsdinner

Okay, ganz ruhig bleiben. Bloß nicht an letztes Weihnachten denken. Ansonsten geht wieder die Schnappatmung los – als das Desaster mit dem Truthahn passiert ist. Aber dieses Jahr gibt es ja Ente: Neues Dinner, neues Glück.

Phase 7: Der (h)eilige Abend

Das Glöckchen klingelt, das Warten hat ein Ende. Die Kinder stürmen aus ihren Kinderzimmern mit glühend roten Bäckchen vor Aufregung und einem Funkeln in den Augen ins Wohnzimmer und.. Ja, sie bestaunen nicht etwa den schönen Tannenbaum oder die liebevoll eingepackten Geschenke, sondern reißen die Päckchen auf und weiter geht’s! Das eine Geschenk ist noch nicht einmal richtig ausgepackt, schon wird das nächste in die Hand genommen. Sobald man sieht was der Inhalt des Päckchens ist heißt es: „Oh, nur ein Pullover.“ Die Kinder haben es wohl eilig am eiligen Abend und die besinnliche Weihnachtsstimmung bleibt aus. Es ist weniger das Fest der Liebe und Besinnlichkeit, sondern vielmehr das Fest des Konsums und des Spiels wer-hat-das-größte-Geschenk geworden.

Isabel Stagen

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