The Band „Linkin Park“

Linkin Park befasst sich lyrisch mit der Gebrochenheit des Menschen und der Suche nach einem Ausweg, nach Erlösung, nach einem Ort, wo man hingehört. Passend dazu heißt ein Lied der Band „Somewhere I Belong“. Diese Suche ist so alt die Menschheit.  Welche Antworten findet Linkin Park?

Die Band Linkin Park

Die Band, deren Stil irgendwas zwischen Metal und Pop ist, bestehen aktuell aus 6 Mitgliedern: Chester Bennington (Sänger), Mike Shinoda (Keyboard, Hintergrundgesang), Brad Delson (Gitarre), David Farrell (E-Bass), Joe Hahn (DJ, Hintergrundgesang) und Rob Bourdon (Schlagzeug). Die Bandmitglieder haben mitunter selbst traumatische Lebenserfahrungen hinter sich, die sie in ihre Musik einbringen können. Die Biografie des Sängers Chester Bennington lässt es jedenfalls verständlich erscheinen, warum dessen Gesang mitunter in Geschrei übergeht. Benningtons Kindheit und Jugend war alles andere als einfach. Als Kind wurde er vernachlässigt. Später wurde er von einem Bekannten der Familie sexuell missbraucht und lebte jahrelang heimlich mit diesem Trauma. Er kam mit Drogen in Kontakt und war oft alleine.

Die lyrische Verarbeitung von Lebenserfahrungen: „Numb“

Ein bekanntes Album der Band ist „Meteora“ mit den Singleauskopplungen „Numb“ [zu Deutsch: „gefühllos/betäubt“] und „Somewhere I Belong“. Das lyrische Ich spricht in diesen beiden Liedern intensiv über die Verarbeitung von Alleinsein, Fremdsein und der Sehnsucht nach Erlösung.

Im Musikvideo zum Lied „Numb“ geht es um eine Jugendliche, die in der Schule gemobbt wird. Sie wird abgelehnt, ausgelacht und herumgeschubst. „Gefühllos“ scheint hier weniger eine emotionale Schwäche der Protagonistin zu sein, als eine Art „Schutzpanzer“, um die Kränkungen überleben zu können. Die Band Linkin Park tritt in dem Video selbst auf und performt in einer Kirche. Gegen Ende des Videos läuft die Teenagerin in die Kirche hinein, dabei ist die Band bereits verschwunden, die Kirche ist leer, das Video aus. Das lyrische Ich drückt mehrmals seine Verzweiflung an der stets scheiternden Anpassung aus:

„Ich bin müde von ihren Erwartungen an mich. Ich fühle mich glaubenslos, verloren unter der Oberfläche. Ich weiß nicht, was ihr von mir erwartet. […] Jeder Schritt, den ich tue, ist ein weiterer Fehler für euch. […] Alles, was ich tun will, ist mehr wie ich sein und weniger wie ihr.“ (Übersetzung des Autors)

Das Lied endet dann mit der Feststellung: „Ich bin so gefühllos geworden. Ich kann euch dort nicht mehr fühlen. Ich bin müde von euren Erwartungen. Ich bin gefühllos geworden. Ich kann euch dort nicht mehr fühlen. Ich bin müde von euren Erwartungen.“

Sänger Chester Bennington bietet seinen typischen Schreigesang auf. Der Schrei nach Erlösung bleibt ein Schrei der Sehnsucht und Suche, des Wunsches.  Die Perspektive des Musikvideos ist aber vor allem eine Problemdarstellung ohne Lösung. Dies mag daran liegt, dass es Situationen gibt, in denen es keine andere Antwort als das Aushalten zu geben scheint.

Die lyrische Verarbeitung von Lebenserfahrungen: „Somewhere I Belong“

Im Musikvideo zum Lied „Somewhere I Belong“ kommt die Band ebenfalls wieder im Video vor und steht in Flammen. Mike Shinoda singt viele Teile des Liedes und steht im Regen. Chester Benningtons Schreigesang beschränkt sich vor allem auf den Refrain. Eine Art Monsterhorde und graue monotone Menschen umgegeben die Band. Am Ende sind Feuer und aller dunkler Zauber erloschen und Chester Bennington fällt schlafend ins Bett. Hier mag der Kampf mit sich selbst bis zur totalen Erschöpfung vergegenwärtigt sein.

Das lyrische Ich singt vor allem über eine innere Sinnsuche:„Als das begann hatte ich nichts zu sagen. Und ich gehe verloren im Nichts, das in mir ist. Ich war verwirrt. Und ich lasse es alles raus, um zu finden, dass ich nicht die einzige Person mit diesen Gedanken in mir bin. […] Ich sitze fest, hohl und alleine. Und es ist meine Schuld und es ist meine Schuld“.

Deutlich wird die Sehnsucht nach Heilung: „Ich möchte heilen, ich möchte fühlen, dass meine Gedanken nie real waren. Ich möchte den Schmerz los werden, den ich so lange gefühlt habe.“

Wie nun soll diese Sehnsucht erfüllt werden? Am Ende kommt der hoffnungsvolle Wunsch: „Ich möchte etwas finden, dass sich schon die ganze Zeit suche: Irgendwo gehöre ich hin. Ich möchte heilen, ich möchte fühlen: Irgendwo gehöre ich hin […]“.

Linkin Park als Band des „Zeitalters der Authentizität“ (C. Taylor)?

Die Phänomene werden von Linkin Park dargestellt, doch eine  Lösung scheint nur in der Möglichkeit zur Selbstwerdung zu liegen. Besonders im Lied „Numb“ ist dies der zentrale „Erlösungswunsch“. Die Situation des Mobbings wird im Musikvideo dargestellt, aber nicht gelöst. Vielleicht also soll keine klare Lösung aufzeigt werden, schließlich bleibt auch das lyrische Ich auf der Ebene des Wunsches stehen. Wenn jedoch Auswege vorkommen, scheinen diese in Selbstakzeptanz, Selbstannahme, Selbststolz, bzw. in einem Umfeld zu liegen, in dem man authentisch leben kann. Ist da noch Raum für den ganz anderen Gott, der verheißt aus dem Sklavenhaus herauszuführen?

Josef Jung

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