Es gibt die Seele

Jeder kann sich überzeugen

Biologen, Mediziner und nicht wenige Philosophen zweifeln an so etwas wie Seele. Sie müsste mit empirischen Methoden nachgewiesen werden. Es geht bei der Frage auch darum, ob das „Ich“ etwas Reales ist oder nur eine Vorstellung, die uns unser Nervensystem vorspiegelt. Wir wären also keine Person, die mit eigenem Entscheidungsvermögen ausgestattet ist, sondern würden von unserem Gehirn gelenkt. So etwa erklärt der Frankfurter Hirnforscher Singer unser Ich-Bewusstsein. Wir sind dann von den chemischen Prozessen in unserem Gehirn gesteuert. Das wir uns selbst als Handlungszentrum erleben, wäre dann nur ein Eindruck, den die Nervenzellen erzeugen.

Dom zu Halberstadt, Foto: E.Bieger

Dom zu Halberstadt, Foto: E.Bieger

Wir denken und entscheiden mit den Hirnzellen
Der Mensch als Einheit von Leib und Seele gedacht, denkt, fühlt, entscheidet jeweils mit seinen Gehirnzellen. Die Aktivität dieser Zellen kann man mit Magnetresonanz- und anderen Verfahren direkt beobachten. Um die These von der Steuerung der Person durch die Nervenzellen zu belegen, berufen sich Hirnforscher auf Beobachtungen, dass bestimmte Hirnregionen, die z.B. eine Handbewegung auslösen, aktiv sind, bevor dem Beobachteten bewusst ist, dass er die Hand bewegen will. Das Hirn gibt also einen Impuls, der erst nachträglich bewusst wahrgenommen wird.  Solche Reaktionen, die erst nachträglich bewusst werden, kennen Autofahrer. Sie bremsen, weil sie im Augenwinkel ein Fahrzeug registriert haben. Der Handlungsablauf ist programmiert, wir müssen keine Entscheidung treffen. Aber nicht nur bei Körperreaktionen bleibt unser Bewusstsein an Hirnzellen gebunden, sondern auch wenn es um Vorgänge geht, die von außen nicht so leicht zu beobachten sind.
Ansgar Beckermann nimmt die Abwesenheit einer Seele an. In der „Deutschen Zeitschrift für Philosophie“ schreibt er in Heft 1 2012:

„ Die gesamte Realität besteht nur aus natürlichen Dingen; in der Realität gibt es weder Götter noch Geister noch Seelen noch andere übernatürliche Mächte und Kräfte. … letztlich sind es die Wissenschaften, die uns sagen, was in der Welt gibt und wie das, was es gibt, beschaffen ist.“

Es ist also zu zeigen, dass die Seele in dieser Welt vorkommt und dass die Naturwissenschaften nicht abschließend feststellen können, was es gibt. Es gibt nämlich in unserer Welt

Wertorientierung, Verantwortungsbewusstsein, Gewissen
Für die Beobachtung, die Hirnforscher anstellen, ist es naheliegend, Bewegungen zu erfassen und diese mit direkten Messungen der Hirnströme in Beziehung zu setzen. Die Handbewegung wie die Messung der Hinströme sind unabhängig von der Auskunft der beobachteten Person. Diese muss nur Auskunft geben, wenn ihr die Bewegung der Hand bewusst wird.
Es gibt darüber hinaus Bewusstseinszustände, die durch Körperreaktionen nicht so leicht erfasst werden können. Wenn z.B. jemand einem anderen hilft, folgt er einer Wertvorstellung, nämlich solidarisch mit anderen zu sein. Noch weniger fassbar wäre das schlechte Gewissen, das jemand spürt, wenn er nicht geholfen hat. Eine andere Tatsache, die wir beobachten können, ist das Verantwortungsgefühl. Jemand ist z.B. für einen Küchenbetrieb verantwortlich. Aus dieser Verantwortung heraus arbeitet er einen Speisenplan aus, bestellt er Lebensmittel und Getränke. Wenn er bemerkt, dass etwas fehlt, wartet er nicht, ob jemand das Fehlende besorgt, sondern fühlt sich verantwortlich. Diese Verantwortung ist auch im Tierreich zu beobachten. Nestbau, die Eier ausbrüten, die Jungen füttern und ihnen das Jagen beibringen, sind Leistungen von Tieren. Wir sagen, dass dieses Verhalten durch Instinkt gesteuert wird. Aber erklärt diese Aussage, dass Tiere zu gemeinsamer Verfolgung eines Ziels fähig sind, so wenn Löwinnen gemeinsam auf die Jagd gehen. Tiere sind sogar zur Erkenntnis zumindest ihres eigenen Körpers fähig. So kann eine Elster, die vor einem Spiegel sitzt, einen Fremdkörper von ihrem Federkleid picken, den sie nur durch den Spiegel sehen konnte. Weil Tiere das können, hat Aristoteles ihnen eine Seele zugesprochen. Sogar Pflanzen haben nach Überzeugung der Griechen eine Seele, weil sie sich anders als bloße Materie selbst organisieren und regenerieren können. Das klingt nach Esoterik und stößt auf strikte Ablehnung derjenigen, die allein experimentell Messbares für wirklich halten.

Langfristige Ziele
Nun sind die Versorgungsleistungen der Vögel für ihre Jungen, die Koordination in einem Wolfs- oder Löwenrudel Vorgänge, die von den Naturalisten nicht bestritten werden. Offensichtlich verfügen Tiere bereits über Kompetenzen, die mit physikalischen Gesetzen nicht beschrieben werden können. Denn Physikalische Gesetze brauchen am Beginn eine Ursache, aus der dann das Weitere in seiner Gesetzmäßigkeit beschrieben wird. Zielgerichtetes Handeln folgt jedoch nicht aus gesetzmäßigen Abläufen, sondern setzt am Beginn ein Ziel, um die Abläufe so zu organisieren, dass das Ziel erreicht wird, also Nestbau, Eier ausbrüten, Junge füttern und sie zum Jagen bringen. Die Handbewegung, z. B. um eine Fliege zu verscheuchen, hat ein Ziel. Oder ist sie nur die Reaktion auf ein Kribbeln auf der Haut? Man kann Messungen anstellen, wenn es kurzzeitige Zielverfolgung geht, z.B. wenn ich aufstehe, um die Zuckerdose in der Küche zu holen. Wie steht es aber um Handlungen, die nicht einen direkten Effekt haben sollen?
Wenn es um ein weit in der Zukunft liegendes Ziel geht, kann die Handbewegung nicht mehr die Reaktion auf einem Reiz sein, sondern erfordert, dass das Ziel im Bewusstsein präsent ist. Wer z.B. einen Wettbewerb gewinnen will, muss sich das Ziel immer wieder vor Augen stellen, um sich für ein erneutes Training zu entscheiden. Wer ein Buch schreibt, braucht viele Ideen, die wohl nicht schon in seinem Gehirn  bereit liegen, sondern die er entwickeln muss. Die Ideen sucht der Schreiber auch in seinem Umfeld, indem er mit Menschen spricht, andere beobachtet oder aus anderen Büchern etwas übernimmt. Dabei muss er aus dem Vielen, das ihm erzählt wird, das er beobachtet, was er liest, auf das Ziel hin auswählen, das er mit seinem Buch verfolgt.

Die Grenzen der Physik und der anderen Naturwissenschaften
Zielorientiertes Handeln lässt sich an den Gehirnströmen nicht so leicht beobachten, wie die Aktivität von Hirnzellen mit einer Handbewegung in Verbindung zu setzen. Physikalische, chemische, medizinische Messmethoden können prinzipiell nicht die Verfolgung eines Ziels erfassen. Denn die langfristigen Ziele brauchen immer wieder neue Aktivitäten, die nur sinnvoll erscheinen, wenn sie sich von einem Ziel herleiten lassen. Das Ziel ist aber im Bewusstsein des Handelnden. Die Naturwissenschaften haben kein Instrument, um diese Fragen zu operationalisieren. Sich verantwortlich fühlen, Schuld für eine Tat empfinden, kann man weder physikalisch noch chemisch beschreiben. Es sind keine Eigenschaften von elektrischen Feldern noch von Elementarteilchen. Diese empfinden keine Verantwortung. Man kann sich das am Lügendetektor klar machen. Dieser misst nicht, ob jemand die Absicht hat, eine Falschaussage zu machen. Er misst nur am Hautwiderstand, ob jemand schwitzt. Dass mit Lügen notwendig Schwitzen verbunden ist, müsste nachgewiesen werden. Denn es kann auch jemand deshalb schwitzen, weil ihm die Elektroden des Lügendetektors unangenehm sind. Der Mensch geht mit seinem Denken noch weiter als es wahrscheinlich den Tieren möglich ist. Er verfolgt nicht nur weitreichende Ziele, sondern fragt sich, ob er das Ziel überhaupt erreichen will.

Die Sinnfrage erfordert ein denkendes Subjekt
Langfristige Ziele verfolgen, Wertvorstellungen zur Maßgabe seines Handelns machen, Verantwortung wahrnehmen, dass erfordert Bewusstsein. Das Bewusstsein ist für die Physik, die Chemie und auch nicht mit den Methoden der Biologie greifbar. Es gibt diese Phänomene aber. Das sind keine übernatürlichen Mächte und Kräfte, wir rechnen mit diesen Kräften, wenn wir uns ins Auto setzen oder einen Vertrag unterschreiben. Sie erfordern ein Substrat, das Verantwortung wahrnehmen und langfristige Ziele verfolgen kann. Das nennen wir Seele und gehen auch nicht davon aus, dass man die Seele mit dem Mikroskop entdecken kann. Zudem verfolgen wir nicht nur langfristige Ziele, sondern fragen uns immer wieder, ob wir an den Zielen festhalten und trotz negativer Erfahrungen an den ethischen Prinzipien, z.B. nicht zu lügen noch zu betrügen, festhalten wollen. Die Frage nach dem Sinn stellt sich in dem riesigen Weltall nur Wesen mit einer Geistseele. Im Moment wissen wir nur von solchen Wesen auf dieser Erde. Wir haben bisher keine Nachrichten von anderen Planeten, die auf eine Seele hindeuten, die sich uns mitteilt. Welt wir nach dem Sinn fragen können, können wir auch noch einmal das die Erklärung aufgreifen, unser Hirn würde uns vorspiegeln, wir würden bewusst handeln, tatsächlich würden wir aber von den Hirnzellen gelenkt. Welchen Sinn macht diese Aussage?

Der philosophische Knoten der Leugnung der Seele
Die Behauptung, wir würden nicht von unserem Ich, sondern von den Hirnzellen geleitet, macht Sinn, wenn ich die Welt ohne Seele erklären will. Aber die Behauptung, wir würden sozusagen biologisch von den Nervenzellen gesteuert, muss eine Erklärung dafür finden, warum wir uns trotzdem als handelnde Subjekte erleben. Das ist ja kein übernatürliches Faktum, jeder von uns weiß, dass wir nicht durch den Tag taumeln, sondern bereits bei der Lenkung des Autos bewusst handeln müssen. Wenn das aber eigentlich die Hirnzellen machen und uns nur vorgaukeln, wir hätten heute selbst entschieden, mit dem Auto ins Büro zu fahren, geben sie der Biologie die Fähigkeit, anstelle unseres Ichs den Entschluss zu fassen, auch heut e pünktlich im Büro die Arbeit aufzunehmen. Dann haben die Hirnzellen eben die Fähigkeit, die wir bisher unserem Ich zugetraut haben.  Warum soll man den Hirnzellen etwas zutrauen, das man unserem Ich abspricht? Nicht können die Naturwissenschaften das nicht feststellen. Wir sollten unser Denken doch einsetzen, um zu prüfen, ob die Leugnung der Seele Sinn macht. Weil wir über Sprache verfügen und nicht nur langfristige Ziele verfolgen, sondern über den Sinn eines Ziels nachdenken können, spricht  die Philosophie dem Menschen, nicht aber den Tieren, eine Geistseele zu. Die ist nicht übernatürlich, sondern gehört zu unserer natürlichen Welt.

Eckhard Bieger S.J.

Ein Gedanke zu “Es gibt die Seele

  1. Quantifizierbare Seele:
    Es war nur eine Frage der Zeit,um in -ehem.energielos gedachten-„schwarzen Löchern“ im All doch quantifizierbare Energie nachzuweisen zu können: das Nichts existiert nicht.,genausowenig wie eine seelenlose Beziehung

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