Palmsonntag. Einer der letzten Stationsgottesdienste

Viele Katholiken ziehen am Palmsonntag durch die Städte, von einer Kirche zur anderen. Das ist ein besonderes Ereignis, denn meistens verlassen die Gläubigen ihre Kirche nicht während des Gottesdienstes. Der Stationsgottesdienst ist zu einer seltenen Ausnahme geworden, die nur ein paar mal im Jahr geübt wird. Das war früher anders.

Basilica di San Nicola da Tolentino, Tolentino, Marche, Italy

Foto: WikiCommons

Ursprünge der Stationsgottesdienst

Die Ursprünge der Stationsgottesdienste liegen vermutlich in vorkonstantinischer Zeit. Peter Kirsch vermutet, durch den gemeinsamen Besuch verschiedener Stationskirchen sollte die Gemeinschaft verschiedener Gemeinden einer Diözese gestärkt werden. Aber erst im 4. Jahrhundert lassen sich die Gottesdienste etwa in Rom in Name und Gestalt fassen. Schon damals wurden sie Statio genannt. An einem vorher bestimmten Ort versammelte sich der Zelebrant, häufig der römische Bischof, zusammen mit den Gläubigen und zog zur Stationskirche, wo die Messe gefeiert wurde.

Stationsgottesdienste in Rom

Besonders gut ist die römische Ordnung der Stationskirchen überliefert. Gregor der Große hat 45 für diese Messen bestimmt, bei 101 Stationsgottesdienste. Allerdings gerieten sie in Rom im Verlauf des Mittelalters immer mehr aus der Übung, auch weil der Papst immer seltener an ihnen teilnahm. In der Renaissance war der Brauch fast ganz verschwunden. Die Päpste nahmen nur noch den Stationsgottesdienst am Aschermittwoch war, der bis heute in Santa Sabina gefeiert wird. Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde aber auch diese Messe in die päpstliche Kapelle verlegt.

Im 19. und 20. Jahrhundert nahm das Interesse an den Stationsgottesdiensten wieder zu. Der Vatikan übertrug die Wiedereinführung dieser Form dem Collegium Cultorum Martyrum. Allerdings blieben die Feiern bis heute auf die Fasten- und Osterzeit beschränkt. Eine Aufwertung erhielten sie, als 1959 mit Johannes XXIII. erstmalig ein Papst wieder an der Messe in Santa Sabina teilnahm.

Bedeutung der Stationsgottesdienste

Nach Paolo Salviucci sind sie „eine Art Wachdienst der Kirche, bei denen die Christen, eingedenk ihrer obersten Pflicht, dem Herrn mit unbedingter Hingabe zu dienen, alle weltlichen Beschäftigungen und Sorgen hintenanstellten, um sich ganz der Betrachtung der göttlichen Geheimnisse zu widmen.“

Maximilian Röll

Literaturhinweis:


Ulrich Nersinger: Liturgien und Zeremonien am päpstlichen Hof, Band 1.

Links:
Heutige Päpstliche Akademie Cultorum Martyrum
Zu Palmsonntag: kath.de

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